Österreichische Nationalbibliothek

D | E
 

Fotosammlung |
Bestand Raoul Korty

Autorin:
Margot Werner
Die Beschlagnahmung: „Wertvolles Kulturgut der Ostmark“ sichern

Nach dem „Anschluss“ verschlechterte sich Kortys finanzielle Situation, da er als Jude im Sinne der rassistischen Nürnberger Gesetze an der Ausübung seiner Tätigkeit als Journalist gehindert wurde. Korty wurde nun seine Prominenz in Wiener Journalistenkreisen zum Verhängnis. Die Beschlagnahmung seiner Sammlung ist einer jener wenigen Fälle, in denen es keines expliziten Ansuchens des damaligen Generaldirektors der Nationalbibliothek an die für Einziehung und Verwertung jüdischen Vermögens zuständigen Stellen bedurft hatte. NS- Generaldirektor Paul Heigl wurde im Februar 1939 vom Inspekteur der Sicherheitspolizei auf die Sammlung aufmerksam gemacht.
Dies veranlasste Wilhelm Beetz, damals Leiter der Porträtsammlung der Nationalbibliothek, sich an Walther Stahlecker, Inspekteur der Sicherheitspolizei und SS-Standartenführer, zu wenden und anzuregen, „das für die Nationalbibliothek wertvolle Kulturgut aus der Ostmark zu Tage zu fördern und eine Verschiebung ins Ausland“ zu verhindern. In Folge dieses Ansuchens griff bereits zwei Wochen später die Gestapo ein.
In einer groß angelegten Aktion wurde am 26. April 1939 in Kortys Wohnungen sowie in seinem bei einer Spedition eingelagerten Umzugsgut ein Großteil der Sammlung „sichergestellt“. Die aufgefundenen 30.000 Fotos und Negative wurden von der Gestapo beschlagnahmt und der Nationalbibliothek zugeteilt.
Eine Aufarbeitung der Sammlung erfolgte weder in der NS-Zeit noch danach, sodass die Sammlung bis zu ihrer Restitution im Jahr 2005 originalverpackt in den Magazinen der Österreichischen Nationalbibliothek lagerte.

 

zurück
Inventarstempel der Nationalbibliothek aus der NS-Zeit © ÖNB