Österreichisches Museum
für Volkskunde

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Gemälde und Kunsthandwerk |
Bestand Siegfried Fuchs

Autorinnen:
Kathrin Pallestrang,
Magdalena Puchberger,
Claudia Spring
Siegfried Fuchs und seine Sammlung

Siegfried Fuchs wurde am 26. Dezember 1883 als viertes von sechs Kindern des Kaufmanns Rudolf und seiner Frau Mathilde Fuchs in Wien geboren. Er wuchs in der Praterstraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk auf und wohnte dort auch weiterhin, nachdem er Rechtsanwalt geworden war und seine Kanzlei auf der Mölker Bastei im ersten Wiener Gemeindebezirk eröffnet hatte. Er besaß eine umfangreiche Bibliothek und vielfältige Sammlungen von Musikhandschriften, Musikinstrumenten, Kunsthandwerk, Kunst und Volkskunst.
Am 15. Juli 1938 meldete er sein Vermögen bei der „Vermögensverkehrsstelle“ an, wozu er durch die „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ verpflichtet war. Er gab den Wert seines Vermögens inklusive seiner Sammlung mit 10.500 Reichsmark an.
Aufgrund der „Fünften Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 27. September 1938, die das Berufsverbot für jüdische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bedeutete, wurde Siegfried Fuchs in der Standesliste der Rechtsanwälte gelöscht und konnte somit seiner Erwerbsarbeit nicht mehr nachgehen. Daraufhin musste er seine Kanzlei auf der Mölker Bastei auflösen, was noch im selben Monat geschah. Er verlegte sie zwar in seine Wohnung, konnte aber kaum noch Einkünfte daraus erzielen.
Zwischen Mitte November und Anfang Dezember 1938 sah er sich gezwungen, der Vermögensverkehrsstelle zu melden, dass er zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes auf den Verkauf von Teilen seiner Sammlung angewiesen sei. Weiters musste er die vom NS-Regime verlangte „Judenvermögensabgabe“ aus dem Verkauf von Stücken aus seiner Sammlung bezahlen.
Bis 12. November 1938 hatte er Objekte im Wert von rund 2.000 Reichsmark verkauft, außerdem meldete er am 15. Dezember 1938, dass er die erste Rate der vom NS-Regime vorgeschriebenen „Reichsfluchtsteuer“ zahlen wollte, um aus dem „Deutschen Reich“ ausreisen zu können. In diesen Zeitraum fiel der erste Ankauf von Objekten durch das Volkskundemuseum Wien. 15 Objekte wurden im Jahr 1939 unter den Inventarnummern ÖMV/44.079–44.085 und ÖMV/44.283–44.290 in die Sammlung aufgenommen.
Die von Siegfried Fuchs am 28. Juli 1939 vorgenommene Veränderungsmeldung zur Vermögensanmeldung zeigt, dass seine Sammlung zu diesem Zeitpunkt auf weniger als die Hälfte des im Juli 1938 angegebenen Werts geschrumpft war.
Einen Antrag der Wiener Städtischen Sammlungen vom 15. September 1939, die Reste der Sammlung Fuchs „sicherzustellen“, wodurch er keinen Zugriff mehr darauf gehabt hätte, lehnte die Zentralstelle für Denkmalschutz ab. Als Begründung gab die Behörde an, dass einerseits die Sammlung nur von geringer Bedeutung sei und andererseits Fuchs selbst ein Interesse am Verkauf habe.
Im Jahr 1940 wurden im Volkskundemuseum unter den Inventarnummern ÖMV/44.932 und 44.933 zwei weitere Objekte von Siegfried Fuchs verzeichnet. Spätestens dann mussten dem NSDAP-Mitglied und Direktor des Volkskundemuseums Arthur Haberlandt (1889–1964) die Rahmenbedingungen der Ankäufe bewusst gewesen sein, denn im Inventarbuch ist neben dem Namen „Dr. Siegfried Fuchs“ der Hinweis „(Jude)“ vermerkt.
Im Dezember desselben Jahres konnte Siegfried Fuchs Wien verlassen. Es war ihm gelungen, 400 US-Dollar auf ein Konto des „Committe for the Assistance of European Refugees in Shanghai“ einzuzahlen, wie es von der Stadtregierung von Shanghai gefordert war. Wer dieses Geld nicht aufbringen konnte, dem/der war die Einreise verwehrt.
Die Ausfuhrbewilligung für das, was von seiner Sammlung noch übrig war, wurde ihm von der Zentralstelle für Denkmalschutz nur eingeschränkt erteilt. Etliches musste er zurücklassen bzw. verschiedenen Museen zum Kauf anbieten.
Über die Umstände seiner Reise und über sein weiteres Leben in Shanghai wissen wir nichts. Er starb ebendort am 25. Juli 1946.

 

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