Österreichisches Museum
für Volkskunde

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Gemälde und Kunsthandwerk |
Bestand Siegfried Fuchs

Autorinnen:
Kathrin Pallestrang,
Magdalena Puchberger,
Claudia Spring
Das Dossier Siegfried Fuchs als Signal nach innen und außen

Vorstand und Mitglieder des Trägervereins des Volkskundemuseum Wien, des 1894 gegründeten Vereins für Volkskunde, entschlossen sich im Frühjahr 2014 dazu, in den Museumsbeständen eine systematische Provenienzforschung im Sinne des Kunstrückgabegesetzes durchzuführen: Dossiers zu bedenklichen Objekten erstellen, diese dem Kunstrückgabebeirat vorlegen und dessen Empfehlungen zur Rückgabe oder zum Verbleib der Objekte vollinhaltlich umsetzen. Die Kommission für Provenienzforschung willigte ein, das private Volkskundemuseum Wien mitzubetreuen, und die Zusammenarbeit wurde vertraglich vereinbart. Zudem verpflichtete sich das Volkskundemuseum zur Zusammenarbeit mit dem Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus und zur Veröffentlichung von Fotos und Informationen zu Beständen ungeklärter Provenienz in dessen Kunstdatenbank.
Im Jahr 2015 begann die Historikerin Claudia Spring, die Mitglied dieses Projektteams ist, mit der professionellen Provenienzforschung im Volkskundemuseum Wien, dessen Sammlungen rund 200.000 dreidimensionale Objekte, an die 300.000 Fotografien sowie rund 100.000 Fachbücher zur Volkskunde/Europäischen Ethnologie und zu verwandten Fächern in seiner öffentlich zugänglichen Bibliothek umfassen. Claudia Spring konnte zu Beginn ihrer Arbeit auf Vorarbeiten zurückgreifen, die eine gute Grundlage für die systematische Provenienzforschung bildeten. Das war zum einen das FWF-Projekt mit dem Titel „Museale Strategien in Zeiten politischer Umbrüche. Das Österreichische Museum für Volkskunde in den Jahren 1930–1950“, durchgeführt im Jahr 2013 von Birgit Johler und Magdalena Puchberger – letztere ist ebenfalls Mitglied des Projektteams zur virtuellen Galerie. Zum anderen hatten bereits in den Jahren zuvor eine detaillierte digitale Erfassung der Sammlungen und die Durchforstung der Bibliotheksbestände durch Museumsmitarbeiter*innen den Fokus auf die Erwerbungen der Jahre 1938 bis 1945 gelegt. Die Ausgangslage für eine systematische  Provenienzforschung im Volkskundemuseum Wien ist auch aufgrund seines Archivs ausgezeichnet, das unter anderem Personalakten, Direktionskorrespondenz und Herkunftsakten zu vielen Objekten der Sammlung enthält.
All das machte deutlich, dass das Volkskundemuseum, wie auch viele andere Museen, die Verfolgung und Vertreibung von Menschen durch das NS-Regime genutzt hatte, um seine Bestände zu erweitern.
Zu Beginn ihrer Arbeit führte Claudia Spring einen ersten Abgleich der Namen von Personen und Institutionen, von denen das Volkskundemuseum Wien in den Jahren 1938 bis 1945 Objekte und Bücher erworben hatte, mit den damals vorhandenen Forschungsergebnissen der Provenienzforscher*innen aus den Bundesmuseen durch. Schon dieser zeigte auf, dass das Volkskundemuseum Wien ein Knotenpunkt im Komplex von Raub, Zwangsverkäufen und Fluchthoffnungen in der NS-Zeit war. Der Provenienzforscherin war es ein Anliegen, dies rasch sichtbar zu machen und damit zu unterstreichen, dass Provenienzforschung auch in privaten Einrichtungen unbedingt notwendig ist, selbst wenn für diese das Kunstrückgabegesetz nicht gilt.
Gerade an der Sammlung Fuchs lässt sich dies verdeutlichen. Neben dem Volkskundemuseum Wien haben auch die Österreichische Nationalbibliothek, das Museum für angewandte Kunst, das Kunsthistorische Museum und das Heeresgeschichtliche Museum in der NS-Zeit Objekte von Siegfried Fuchs erworben. Zu den ersten drei Institutionen lagen damals bereits Beschlüsse des Kunstrückgabebeirats vor. Auch die Wiener Restitutionskommission hatte nach dem Wiener Restitutionsgesetz die Rückgabe von Objekten und Büchern aus dem Wien Museum und der Wiener Stadt- und Landesbibliothek an die Rechtsnachfolger*innen von Siegfried Fuchs beschlossen.
Die Ankäufe von Objekten aus der Sammlung Fuchs im Volkskundemuseum waren aktenmäßig gut rekonstruierbar, die Erstellung eines Dossiers durch die Vorarbeiten im Haus und extern also rasch möglich. Dass es auch hier zu einer Restitution kommen würde, war aufgrund der vergleichbaren Entscheidungen in den Bundes- und Landesinstitutionen sehr wahrscheinlich. Claudia Spring wollte den Weg für diese Rückgabe der Objekte an die Rechtsnachfolger*innen von Siegfried Fuchs schnell ebnen. So konnte durch das Dossier Fuchs auch der Beweis erbracht werden, dass nicht nur Bundesmuseen, sondern auch private Museen in Österreich unrechtmäßig erworbenes Eigentum von Personen, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, besitzen. Eine längerfristige finanzielle Förderung von systematischer Provenienzforschung in privaten Museen ist im Kontext von Restitution und Gedächtnispolitik unverzichtbar.
Die Recherchen und das Dossier zur Sammlung Siegfried Fuchs konnten im Juli 2015 abgeschlossen werden, und der Kunstrückgabebeirat empfahl in seiner Sitzung vom 15. Oktober 2015 die Rückgabe der Sammlung. Das Volkskundemuseum Wien folgte dieser Empfehlung, entsprechend dem eingangs genannten Vereinsbeschluss.
Die Sammlungen in der Nationalbibliothek (Beschluss 2005) konnten bald danach an die Erb*innen restituiert werden, doch eine später notwendige Aktualisierung der Rechtsnachfolge war bei Siegfried Fuchs sehr komplex, weshalb die Objekte im Museum für angewandte Kunst (Beschluss 2006) und im Kunsthistorischen Museum (Beschluss 2012) bis zur Entscheidung über die Objekte im Volkskundemuseum Wien nicht restituiert worden waren. Nach weiteren Recherchen konnten dann aber von den Mitarbeiter*innen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die neuen Rechtsnachfolger*innen gefunden und kontaktiert werden. Sie leben nicht in Österreich, weshalb sie eine in Wien wohnende Vertrauensperson bevollmächtigten, die Sammlungen von Siegfried Fuchs zu übernehmen.

 

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