Fotosammlung |
Bestand Raoul Korty
Autorin:
Margot Werner
Margot Werner
Die Sammlung: Ein Stück illustrierte Weltgeschichte
„... es sind ganz gewöhnliche armselige Fotografien, die ich mein Eigen nenne und die nichts weiter sollen, als irgendein Stück Weltgeschichte illustrieren“ (Raoul Korty, um 1920)
Raoul Kortys Fotosammlung umfasste einst bis zu 250.000 Bilder und war damit eine der größten europäischen Sammlungen ihrer Zeit. Inhaltlich enthielt die Sammlung vorwiegend Porträtaufnahmen bekannter Wiener Ateliers: SchauspielerInnen, Angehörige des österreichischen Kaiserhauses und des europäischen Adels, Politiker, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ebenso wie die Wiener Gesellschaft. Die Sammlung stellt heute ein Panoptikum der versunkenen Welt des Raoul Korty dar.
„(...) unter dem Bette, auf den Tischen, unter den Stühlen, überall türmten sich Berge von Fotografien auf, das Stubenmädchen kündigte, meine Mutter rang die Hände, kurzum es war ein Glück – zum Verzweifeln!“
(Raoul Korty, um 1920)
Zwei Faktoren führten im 19. Jahrhundert zur rasanten Ausbreitung des Mediums Fotografie: die Entwicklung eines billigen Reproduktionsverfahrens und die eines einheitlichen Bildformats. 1851 wurde das nasse Kollodiumverfahren entwickelt, das gemeinsam mit dem etwa zur gleichen Zeit aufkommenden „Visitformat“ (Carte de Visite ca. 6,5 x 10,5 cm) zur Etablierung der Porträtfotografie führte. Korty sammelte vor allem Porträtfotografien, die er, vergleichbar heutigen Bildagenturen, an Printmedien für die Illustration von Artikeln verlieh.
Nur Korty selbst dürfte einen Überblick über seine tausenden Fotos und Negativplatten gehabt haben. Zu einigen Konvoluten existieren fragmentarische Verzeichnisse, viele Bilder sind rückseitig beschriftet. Eine Systematik, nach der gesammelt wurde, ist jedoch nicht erkennbar. Korty sammelte vielmehr nach verschiedenen Kriterien, wobei weniger der künstlerische als der ikonographische Wert der Aufnahmen im Vordergrund stand.
Dass die Sammlung nicht durch Register erschlossen ist und ohne ihren Besitzer schwierig zu bearbeiten sein würde, war schon in der NS-Zeit bekannt. Nicht zuletzt dieser Umstand hatte zur Folge, dass die Sammlung seit ihrer Beschlagnahme 1939 nicht angetastet wurde.
Im Zuge der Vorbereitung der von der Österreichischen Nationalbibliothek 2008 präsentierten Ausstellung „Zur Erinnerung an schönere Zeiten. Bilder aus der versunkenen Welt des jüdischen Sammlers Raoul Korty“ wurde die Sammlung 2007 aufgearbeitet, erschlossen und teilweise digitalisiert. So stehen die enthaltenen historischen Fotografien nun allen Interessierten zur Verfügung.
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„... es sind ganz gewöhnliche armselige Fotografien, die ich mein Eigen nenne und die nichts weiter sollen, als irgendein Stück Weltgeschichte illustrieren“ (Raoul Korty, um 1920)
Raoul Kortys Fotosammlung umfasste einst bis zu 250.000 Bilder und war damit eine der größten europäischen Sammlungen ihrer Zeit. Inhaltlich enthielt die Sammlung vorwiegend Porträtaufnahmen bekannter Wiener Ateliers: SchauspielerInnen, Angehörige des österreichischen Kaiserhauses und des europäischen Adels, Politiker, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ebenso wie die Wiener Gesellschaft. Die Sammlung stellt heute ein Panoptikum der versunkenen Welt des Raoul Korty dar.
„(...) unter dem Bette, auf den Tischen, unter den Stühlen, überall türmten sich Berge von Fotografien auf, das Stubenmädchen kündigte, meine Mutter rang die Hände, kurzum es war ein Glück – zum Verzweifeln!“
(Raoul Korty, um 1920)
Zwei Faktoren führten im 19. Jahrhundert zur rasanten Ausbreitung des Mediums Fotografie: die Entwicklung eines billigen Reproduktionsverfahrens und die eines einheitlichen Bildformats. 1851 wurde das nasse Kollodiumverfahren entwickelt, das gemeinsam mit dem etwa zur gleichen Zeit aufkommenden „Visitformat“ (Carte de Visite ca. 6,5 x 10,5 cm) zur Etablierung der Porträtfotografie führte. Korty sammelte vor allem Porträtfotografien, die er, vergleichbar heutigen Bildagenturen, an Printmedien für die Illustration von Artikeln verlieh.
Nur Korty selbst dürfte einen Überblick über seine tausenden Fotos und Negativplatten gehabt haben. Zu einigen Konvoluten existieren fragmentarische Verzeichnisse, viele Bilder sind rückseitig beschriftet. Eine Systematik, nach der gesammelt wurde, ist jedoch nicht erkennbar. Korty sammelte vielmehr nach verschiedenen Kriterien, wobei weniger der künstlerische als der ikonographische Wert der Aufnahmen im Vordergrund stand.
Dass die Sammlung nicht durch Register erschlossen ist und ohne ihren Besitzer schwierig zu bearbeiten sein würde, war schon in der NS-Zeit bekannt. Nicht zuletzt dieser Umstand hatte zur Folge, dass die Sammlung seit ihrer Beschlagnahme 1939 nicht angetastet wurde.
Im Zuge der Vorbereitung der von der Österreichischen Nationalbibliothek 2008 präsentierten Ausstellung „Zur Erinnerung an schönere Zeiten. Bilder aus der versunkenen Welt des jüdischen Sammlers Raoul Korty“ wurde die Sammlung 2007 aufgearbeitet, erschlossen und teilweise digitalisiert. So stehen die enthaltenen historischen Fotografien nun allen Interessierten zur Verfügung.
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