Albertina

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Federzeichnung
„Landschaft mit einem Felsblock“ |
Sammlung Arthur Feldmann

Autorin:
Julia Eßl
Die Sammlung Feldmann

Als die Albertina im März 1989 im Wiener Dorotheum die Federzeichnung Landschaft mit einem Felsblock (ex-Inv. 40000) erwarb, gab es im Katalog zu deren Herkunftsgeschichte wenig Anhaltspunkte. Die angegebenen Sammlervermerke stammten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, darunter befand sich einer vom britischen Maler Peter Lely (1618–1680). Jüngere oder unmittelbare Angaben zur Provenienz waren nicht überliefert. Wie sich aber herausstellen sollte, war das Blatt in den 1930er-Jahren Bestandteil der renommierten Sammlung von Altmeisterzeichnungen des damals in Brünn ansässigen und auch in Wien tätigen Rechtsanwalts Arthur Feldmann (1877–1941).
Aufgedeckt wurde diese Provenienz durch Feldmanns Enkel, Uri Arthur Peled-Feldmann. Dieser hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die einst rund 800 Werke umfassende und durch das NS-Regime enteignete Kunstsammlung seines Großvaters, der im März 1941 an den Folgen seiner jahrelangen Arterienerkrankung verstorben war,  wieder ins Bewusstsein von Sammler:innen, Museen und allen an Kunst und Geschichte Interessierten zu rücken. Durch jahrelange Nachforschungen gelang es ihm schließlich, etliche Blätter der einstigen Sammlung in Museen, anderen Institutionen und Privatsammlungen ausfindig zu machen. Und so sollte er auch auf das von der Albertina erworbene Blatt stoßen, dessen Vorgeschichte exemplarisch für die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Jüdinnen und Juden steht. Aufgrund der Voreigentümerschaft dieser Arbeit aus der Sammlung Feldmann wurde sie in der 43. Sitzung des Kunstrückgabebeirates vom 3. Oktober 2008 zur Restitution empfohlen.
Das gewonnene Wissen um die Sammlung Feldmann zeigte bald, dass der Sammler einst mit der Albertina eng verbunden war. Denn Feldmann hatte sich für den Aufbau seiner Sammlung Unterstützung fachkundiger Expert:innen geholt – unter ihnen Otto Benesch (1896–1964), der spätere Direktor der Albertina (von 1947 bis 1961), der an der Zusammenstellung der Feldmann’schen Sammlung maßgeblich beteiligt war. Benesch hatte Feldmann wiederholt in seiner Brünner Villa besucht und die Sammlung eingehend studiert. Diese Bekanntschaft entwickelte sich auch zum Nutzen des Museums. Denn die von Benesch im Herbst 1934 kuratierte Schau Watteau und sein Kreis und die im darauffolgenden Frühjahr gezeigte Ausstellung Hans Baldung Grien wurden durch bedeutende Leihgaben von Feldmann ergänzt. Benesch, aber auch weitere Mitarbeiter:innen der Albertina zogen in ihren wissenschaftlichen Beiträgen immer wieder Werke aus der Sammlung Feldmann als Vergleichsbeispiele heran oder widmeten diesen eingehende wissenschaftliche Untersuchungen. So hatte die an der Albertina tätige Kunsthistorikerin Lili Fröhlich-Bum das eingangs genannte Blatt 1928 bereits in ihren Händen gehalten und es dem italienischen Künstler Giovanni Girolamo Savoldo zugeschrieben. Der Kunsthistoriker Wilhelm Suida – ebenfalls ein Berater Feldmanns – ordnete die Zeichnung ins Werk Tizians ein, Benesch dachte an die Tizian-Schule. Dass das Blatt aus dem Umkreis Tizians stammen dürfte, wurde auch nach der Restitution des Blattes angenommen – zwischenzeitlich galt das Blatt als Werk der flämischen Schule.
Über 200 Arbeiten konnte Uri Peled-Feldmann in den letzten 25 Jahren aufspüren, und er griff dabei oftmals auf die umfangreichen Bibliotheks-Bestände und das kunsthistorische Know-how der Albertina zurück. Diese über Jahrzehnte und Generationen hinweg bestehende freundschaftliche Verbindung zum Haus und zu Wien gab schließlich den Ausschlag dafür, dass der Enkel in Erinnerung an seinen Großvater der Albertina 2011 und 2012 rund 30 Blätter vermachte. Uri Peled-Feldmanns Schenkung nahm man zum Anlass, die Sammlerpersönlichkeit Arthur Feldmann 2015 mit der Schau Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina in den Prunkräumen der Albertina angemessen zu würdigen und dem ihm widerfahrenen Unrecht zu gedenken. Die begleitende Publikation erschien als Sonderband der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung in Kooperation mit der Albertina und steht als Open-Access-Publikation zur Verfügung: https://doi.org/10.7767/9783205201571.
Zudem liegt ein Eintrag im Lexikon der österreichischen Provenienzforschung vor: https://www.lexikon-provenienzforschung.org/Feldmann-arthur.

Die Sammlung Feldmann repräsentiert nur eine von vielen Sammlergeschichten und -persönlichkeiten, deren verwischte Spuren durch die Provenienzforschung wieder aufgefunden, erforscht und dokumentiert werden konnten. Denn die Kunstwerke, die heute in den Museen und Sammlungen für alle öffentlich zugänglich geworden sind, wanderten nach ihrer Entstehung oftmals durch Epochen, Länder und Hände und sind dadurch mit diesen als Teil ihrer Historie für immer verknüpft.
 
Autorin: Julia Eßl, Provenienzforscherin im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung


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