Akademie der Bildenden Künste Wien

Kunstsammlungen

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Kupferstich „Vier nackte Frauen“
von Israhel van Meckenem |
Bestand Maria und Rudolf Perlberger

Autor:
René Schober
Die „Vier nackte[n] Frauen“

In der Sammlung des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien befinden sich mehr als 500 Druckgrafiken von Albrecht Dürer. Sie repräsentieren beinahe das gesamte gedruckte Œuvre von 260 Kupferstichen, Holzschnitten und Eisenradierungen des Nürnberger Meisters. Einige Blätter sind sogar mehrfach oder auch als Kopie von anderen Künstler:innen vorhanden. Das ermöglicht Vergleiche einerseits zwischen unterschiedlichen Drucklegungen, Auflagen oder Zuständen und andererseits zwischen Originalen und späteren Kopien. Bei den „Vier nackte[n] Frauen“ von Israhel van Meckenem (um 1440/45–1503) – einem frühen deutschen Kupferstecher, der nicht selten nach Vorlagen anderer arbeitete – handelt es sich in mehrerlei Hinsicht um eine bemerkenswerte Kopie nach dem gleichnamigen Stich Dürers. Auffallend ist, dass ein bereits etablierter und namhafter Künstler wie van Meckenem den Entwurf eines deutlich jüngeren Kollegen zwar seitenverkehrt, aber ziemlich getreu kopiert. Zudem ist der enge zeitliche Konnex beachtlich – das Dürer-Blatt entstand 1497, die Kopie von van Meckenem vor 1503, dem Todesjahr des Künstlers. Dies belegt die rasche Verbreitung von (Dürer-)Druckgrafiken und die enorme Nachfrage, die es erst lohnend erscheinen ließ, Kopien anzufertigen. Schließlich fällt auf, dass van Meckenem seine Kopie mit dem eigenen Namen signierte und nicht etwa das noch relativ junge Dürer-Monogramm „AD“ mitkopierte. Ein Indiz dafür, dass sich das Blatt zur Entstehungszeit womöglich mit dem Namen des damals Bekannteren noch besser verkaufen ließ – ungeachtet etwaiger Urheberrechtsansprüche, ein Konzept, das sich in jener Zeit erst zu entwickeln begann.
Bis zum Legat von Adolf Schmidt im Jahr 1986 befanden sich zwar drei Abzüge von Dürers „Vier nackte[n] Frauen“ im Bestand des Kupferstichkabinetts, jedoch keine Kopie davon – vor allem nicht jene von Israhel van Meckenem. Aufgrund der geschilderten Bedeutung dieser Kopie, ihres Vergleichswerts in Relation zur großen vorhandenen Dürer-Druckgrafiksammlung und ihrer Seltenheit am Kunstmarkt zählt sie zu den herausragenden Werken der druckgrafischen Sammlung des Kupferstichkabinetts.
 
René Schober, Kustode Kupferstichkabinett


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